Info und Bilder

 

IWL Troll

 

 

 

 

 

 

 

 

Hersteller:

 

Industriewerke Ludwigsfelde, Deutschland

Typ:

IWL “Troll”

Baujahr:

1963

Fahrgestellnummer:

0115xx

Motor:

MZ Einzylinder 2 Takt, 150 ccm 9,5 PS bei 5500 U/min

Besonderheiten:

 

der letzte Roller aus dem IWL Werk, Sparmassnahmen bedingen Verwendung von vorhandenen MZ Teilen und bestimmen überwiegend das Äußere des Rollers, original Kilometerstand 3000!

 

 

Der Troll: Die einen finden ihn nur hässlich, die anderen, wohl eher Ex- MZ Fahrer oder solche die den Troll selber mal gefahren sind, finden ihn Klasse.

Ich gehöre zu den Zweiten, bin praktisch durch den „Troll“ Rollersozialisiert worden. Mit 16 Jahren sah die Auswahl der für mich erlaubten und käuflich erwerbbaren 150ccm Motorrädern sowohl nicht gerade üppig aus (MZ ES oder TS, oder die lahme MZ RT) und deren Schick war für mich auch nicht zu erkennen. Alle hatten den Mief des „Bring mich zum VEB Betrieb“ anheim.

Ca. ein Jahr vorher hatte ich, dank meines Bruders, einen top originalen Berlinroller in Elfenbein/Babyblau in unserem Keller kennen gelernt und durfte diesen öfter probesitzen. Leider bekam der ihn nicht zum laufen und hatte auch nicht wirklich Interesse mit einem derart unmodernen Teil auf der Strasse zu fahren. Also, half ich sogar persönlich mit, den Roller in einen Sperrmüllcontainer zu schmeißen (Zur Strafe muss ich heute Roller sammeln).

Der Berlin fiel mir nun ein und passte auch ganz gut um sich vom restlichen Zweiradgeschehen wenigstens etwas abzuheben. Durch meinen Lehrfacharbeiter kam ich leider nur an 2 marode Trollroller von dessen Vater. Aus den beiden habe ich dann einen fertig gemacht und bin mit ihm, überwiegend sorgenfrei, Jahre unterwegs gewesen.

2 Vorzüge weißt der „Troll“ auf: er ist schnell und die Federung, dank MZ hinten mit verstellbaren Dämpfern, ist perfekt und gleicht einem Sofa. Schwierig ist es nur wenn es draußen regnete oder im Winter die Strassen glatt werden. Durch den langen Radstand bricht relativ schnell das Hinterrad aus. Eine weitere unangenehme und stets zu beachtende Sache ist die Anbringung des Auspuffs unter dem rechten Trittbrett. Zwar verhindert die Anbringung Verbrennungen an den Beinen, jedoch begrenzt er auch erheblich die Bodenfreiheit. Sonntagsvormittag noch mal forsch die Wohnstrasse mit Speed hoch und runter und dann scharf rechts in die Einfahrt rein..... leider war da ja noch der auslaufende Bordstein was den Roller schlagartig aushebelt und schön scheppernd ablegt. Die diversen Auspufftöpfe der Troll sprechen Bände, achtet mal drauf! Testfahrten im Gelände braucht auch keiner auszuprobieren, ich habe es getestet und für ungünstig befunden. Im Gegensatz zum Berlin meines Mitstreiters saß mein Troll ständig mittig mit dem Rahmen auf. Aber dazu ist er ja auch nicht gedacht und heute würde ich auch nicht mehr auf diese Idee kommen.

 

Mein Troll ist erst 3065 km gelaufen und befindet sich praktisch im Neuzustand! Kein Bremszug oder die Kette ect. wurden bisher nachgestellt! Scheunenfund aus 2007! Nur 1 Jahr in Betrieb wurde er durch tanken von blankem Benzin zwangsweise außer Betrieb gesetzt und gleich konsequent durch ein Auto, einen "Trabant", ersetzt. Es handelt sich hier um einen frühen "Troll" noch mit Gußschwingenträger die werksseitig mit einer Flatterbremse unter dem Lenker ausgestattet wurden, um den Schwingungen zu begegnen. Erst der später serienmäßig verbaute Stahlrohrträger löste dieses Problem endgültig.  

Der Motor muß nun repariert werden und die sehr selten zu findende Patina (besonders bei DDR Fahrzeugen) versiegelt werden. Der Schaumstoff der Sitzbank unter dem gut erhaltenen Bezug ist steinhart und muß erneuert werden.