Info und Bilder

 

Maico-Mobil MB 200

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1955, ein Jahr mit dem Maico Mobil 200! Familie und Freunde des ersten Besitzers Georg H.

 

 

 

Unerwartete Begegnung, Jacob S. mit Freunden, bei einer kurzen Runde ums Dorf. Winter 1956/57

 

 

 

Jacob S. vor seiner selbstgebauten Musiktruhe, dem Tauschobjekt.

 

 

 

Hersteller:

 

Maico- Werke Pfäffingen- Tübingen, Deutschland

Typ:

 

Maico-Mobil MB 200

Baujahr:

 

1955

Fahrgestellnummer:

 

3025xx

Motor:

 

Maico Einzylinder 2 Takt, 200ccm 10,3 PS b. 5300U/min

Besonderheiten:

 

eigentlich ein verkleidetes Motorrad, oder damals eher ein Einspurauto, ausladende, perfekten Schutz bietende Aluminiumkarosserie mit Gepäckraum unter dem Soziussitz, 14 Zoll Räder, 4- Gang Fußschaltung, das nur etwa 3000 mal gebaute MB200 ist das Top-Modell der Baureihe, erst ca. 7500km gelaufen

 

 

Immer wieder überraschend, was auch noch 2012 an alten Fahrzeugen in irgendwelchen Scheunen auf die Entdeckung wartet!

Eine Mail von einem Fremden mit der knappen Info „Verkaufe Maico-Mobil.“ und eine Telefonnummer, lassen den Rollersammler hektisch werden.

Der Anruf ergab ein MB 200 welches seit gut 30 Jahren in der Scheune steht. Es ist in gutem Zustand, sagt der Anbieter. Der Roller steht beim Bruder auf dem Bauernhof, und was ich denn bezahlen will….. . Das sind schwierige Momente, denn wenn hier etwas falsch läuft, das wäre sehr, sehr ärgerlich. Der Anbieter ist gut informiert, -selten-, -wertvoll-, -ist begehrt-. Angesichts meines ehrlichen Gebotes wird der vorher eher zurückhaltende ältere Herr nun seinerseits ganz mobil, ein Termin ist schnell gefunden. Eine Woche geduldig sein, hoffen das,  jetzt da das Mobil ans Licht gezerrt wird, nicht ein Nachbar oder Familienmitglied kommt und das Mobil haben will.

Bei klirrenden -20 Grad auf die Autobahn und allen Diesel Problemen zum Trotz, lade ich nach etwa 8 Stunden glücklich den "Überroller" in mein Auto. Der Zustand war dem älteren Herrn ganz anders in Erinnerung, auch haben die wackeren Bauernburschen mit Ihren Geräten Markierungen ins Alu Blech gesetzt. Aber egal, alles ist aufpolierbar, unberührt, die Technik prinzipiell in Ordnung, wurde öfter mal bewegt. Der Preis geht entsprechend auch um 1/3 nach unten.

Mein MB 200 nahm der Verkäufer, von Beruf Fahrlehrer, für Unterrichtsstunden in Zahlung. Das war 1973! Die Kundin hatte kein Geld. Auch heute noch äußert der Verkäufer, dass es sich um eine nette Dame gehandelt hat. Genützt hat es wohl nichts, denn er weiß zwar wo sie wohnt aber es ist nicht bei ihm. Allerdings geht die Rechnung trotzdem auf. Der heute erzielte Kaufpreis liegt weit über dem Gegenwert der Fahrstunden. Eine Fahrerlaubnis kostete zu dieser Zeit etwa 300 DM!

 

Dank des vorhandenen KFZ Briefes und dem Umstand, dass sich das Mobil all die Jahre praktisch in einem Umkreis von nur 80 km bewegt hat, konnte ich sowohl mit der Frima "Peter Heidester Landmaschinenhandel", dem Händler der es 1955 verkaufte, als auch mit dem Sohn des verstorbenen Erstbesitzers Georg H. und vor allem mit dem zweiten eingetragenen Besitzer, heute 76 Jahre jung, sprechen!

Leider gibt es über die Zweiradverkäufe bei Peter Heidester keine Aufzeichnungen mehr, der damalige Chef ist schon verstorben. 

Die ersten vier Fotos stellte mir Georg H. Junior aus seinem privatem Familienalbum zur Verfügung. Die Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1955. Der Roller war der Stolz der Familie.

Licht ins Dunkel brachte der zweite Besitzer, Herr Jacob S. Es war ein Ausflug in eine mir fremde Welt. Alle Details sprengen hier den Rahmen!

Es war einmal ein kleines ostbayrisches Dorf mit einer Schreinerei und einer Pfarrei. Wir schreiben das Jahr 1956. Die jungen Schreinerlehrlinge arbeiteten quasi für 1 DM die Sechs-Tage-Arbeitswoche, Kost und Logi frei. Vier Lehrlinge teilten sich ein Zimmer. Da war kein Geld um ständig die ca. 80km nach Hause zu fahren. Es gab auch keine direkte Verbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln und das sauer verdiente Geld wäre für die Fahrkarte "draufgegangen". Dafür fand Jacob S. 1954/55 Zeit sich eine Musiktruhe zu bauen, fein ausgestattet mit einem Grundig 10fach Plattenwechsler und einem Grundig Radio mit 3D Klang. Zur Faschingsfeier trafen sich die Burschen in der Pfarrei. Keine Mädels, keine Musik. Wenigstens das Problem mit der Musik konnte gelöst werden. Mit der Schubkarre wurde die Musiktruhe geholt und die Feier konnte beginnen. Der Maurer Georg H. war so begeistet von der Truhe, dass er sein Maico-Mobil gegen die tolle Musiktruhe zum Tausch anbot. Seitdem war Jacob S. mobil! Leider hatte er nur selten Geld für Benzin und so stand es mehr als es fuhr! Etwa alle sechs Wochen Sonntag ging es früh am Morgen, mit der Schmutzwäsche in den zwei Kofferräumen seines "Luxusrollers", nach Hause. Dort wusch Mutter die Wäsche und am Abend war Jacob S.mit frischer Wäsche wieder zurück. Größere Touren unternahm er damit nicht, an Urlaubsfahrten war nicht zu denken. 

Das Mobil wurde 1958, mangels eigener Unterstellmöglichkeit, auf dem elterlichen Hof im Schuppen abgestellt.  Der dort wohnende Bruder verschenkte, ohne Zustimmung Jacobs, das Mobil an "Sepp", einem jungen Burschen im Ort. Der fuhr es scheinbar bis zur Stillegung.

Um des lieben Friedens Willen, sprach Jacob S. seinen Bruder auf diese Sache bis Heute nicht an! In den Gesprächen merke ich; dem Mobil trauert Jacob S. noch Heute ein wenig hinterher. Der Roller ist das erste und ziemlich sicher auch das einzige KFZ, was Jacob S. in seinem Leben besessen hat!

Der Roller wurde schon 1961 stillgelegt. Die blanko Versicherungskarte, für eine erneute Anmeldung des KFZ, liegt den Papieren noch heute unbenutzt bei. Das originale BRD Kennzeichen von 1956 mit der Buchstabenkennung für den Landkreis Regensburg ("R" für Regensburg, ein Buchstabe für Landkreis, bei zwei Buchstaben wäre es die freie Kreisstadt Regensburg) befindet sich noch am Roller! Es weist den Roller als 20101 KFZ, welches nach der Kennzeichenreform 1956 im Landkreis zugelassen wurde, aus!

 

Wirklich toll eine fast lückenlose Historie recherchieren zu können und auch noch diverse original Fotos vor die Augen zu bekommen! Vielen Dank an die "Vorbesitzer"!!!

Durch den Verkauf des Rollers haben sich, die nur wenige 100m auseinander wohnenden aber sich vorher unbekannten, Jacob S. und der Verkäufer des Rollers verabredet! Herr Jacob S. ist vom Fahrlehrer eingeladen, eine gemeinsame Spritztour mit dessen Maico- Motorradgespann zu unternehmen!

"Wohin soll es gehen?"  "Vielleicht nocheinmal nach Pürkwang und bei "Peter Heidester- Landmaschinenhandel" vorbeischauen.", sagt Herr S. Vielleicht treffen Sie ja zufällig auch Georg H. Junior....