Info und Bilder

 

Velocette LE 150

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hersteller:

 

Veloce LTD Birmingham, England

Typ:

 

Velocette LE 150 MK I

Baujahr:

 

1949

Fahrgestellnummer:

 

1075

Motor:

 

Velocette 2 Zylinder 4-Takt, 150ccm 6 PS bei 5000 U/min

Besonderheiten:

 

seitengesteuerter und wassergekühlter Boxermotor, voluminöser Pressstahlrahmen, Kardanantrieb, 19 Zollräder. Ab 1952 als 200er bis in die 70iger Jahre gebaut, sehr beliebt bei diversen Behörden, nicht zuletzt bei der Polizei

 

 

 

 

Die LE (Little Engine) ist kein Roller, aber von der Konstruktion her bedient sie ähnlich wie z.B. der Galetto von Moto Guzzi sowohl das Lager der Motorradfahrer wie auch die Wünsche einiger Rollerfahrer. 19 Zollräder und die hochwertigen Federelemente lassen die LE sicher auf der Strasse unterwegs sein. Die Karosserie mit den hochgezogenen Knieblechen, welche auch die Schalter und den Tacho aufnehmen, bietet sehr guten Wetterschutz. Gestartet, oder besser angerissen, wird die LE über den Handstarthebel auf der rechten Seite. Geschaltet wird das 3- Gang Getriebe per Hand per Kulissenschaltung an der rechten Karosserieseite. Die LE ist, zumindest in dieser frühen Version wie sie ab 1948 gebaut wurde, recht lahm, dabei sehr zuverlässig, sparsam im Verbrauch und sehr leise. Von der 150cc Version wurden 2800 Stk. gebaut, Gesamtproduktion aller Modelle 33000, wovon die Hälfte an Behörden ging. Die Polizei schätzte die Zuverlässigkeit und den Komfort.

 

Anfang der 50iger bestand in Europa ein hoher Bedarf an erschwinglichen Fahrzeugen mit Wetterschutz. Die Hilfslösungen wie zusätzliche Kniebleche am Motorrad boten da nur wenig Abhilfe. Der Roller als solcher steckte noch in den Kinderschuhen und wurde von vielen noch argwöhnisch als Modegag gesehen. Renomierte Hersteller wie Guzzi oder Iso legten großen Wert darauf mit ihren -Roller- Produkten nicht als Roller zu gelten, betonten immer wieder nur schutzbietende Motorräder herzustellen. Im Gegensatz zu den ebend genannten handelt es sich, mangels freien Durchstieg und 19" Rädern, bei der LE aber tatsächlich um ein Motorrad. Die Präsentation der LE 1948, als bis dahin einzige echte Allwettermaschine, war eine Sensation! Es gab viele Interessenten aber diese aufwändige Konstruktion war, trotz rationellster Herstellung, um ein vielfaches teurer als vergleichbare Motorräder dieser Klasse. Die Leute die eine solche Allwettermaschine am nötigsten brauchten konnten nur von ihr träumen, bzw. nach preiswerteren Allternativen umsehen.

 

Das hier gezeigte Exemplar habe ich aus Australien mitgebracht, wo sie ein älterer BMW Sammler restaurierte und wegen des Boxermotors zu den bayrischen Boxern stellte.

 

Bei meinem ersten Besuch in Down Under sind mir diese mir unbekannten massigen rollerähnlichen Stahlrahmen auf einigen swap meets aufgefallen. Nachdem ich herausgefunden hatte was das für Kisten sind, war ich von der geradezu sinnlos verschwenderischen Technik (wen man die Verwendung und Leistungsausbeute betrachtet) begeistert. 150ccm aber 2 Zylinder Viertakt Boxeranordnung, Wasserkühlung, Kardernantrieb. Als dann das gute und dazu seltene frühe Exemplar zum Verkauf stand habe ich zugeschlagen.

 

Beim fahren fällt sofort auf, dass es sich um ein Fahrzeug aus einer anderen Zeit handelt. Die Schaltvorgänge benötigen Zeit und der letzte Gang ist sehr lang ausgelegt, so dass man den Zweiten hoch ausdrehen muss um den Anschluss an den Dritten überhaupt zu schaffen. Dann aber geht es gemütlich mit 75 km/h dahin.

 

Die Velocette ist inzwischen im Besitz eines Berliner LE Sammlers!