Info und Bilder

Fiat 131 Spezial 1600 Mirafiori

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hersteller:

 

Fiat Torino Italia

Typ:

 

131 Spezial 1600 Mirafiori

Baujahr:

 

1977

Fahrgestellnummer:

 

131A 1 41288xx

Motor:

 

4 Zylinder 4- Takt, 1600 ccm 75 PS bei 5400 U/min, Zahnriemenantrieb der seitlichen Nockenwelle

Besonderheiten:

 

DDR Erstauslieferung über die „Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH“ (GENEX) 1978, 1. Hand, erst 32000 km gelaufen

 

Ich hatte nicht vor mir ein Auto zuzulegen und wenn hätte ich sicher keinen Fiat 131 gesucht! Aber es kommt ebend öfter ganz anders und so zeigte mir der Werkstattbetreiber auf meinem derzeitigen Garagenhof den Mirafiori. Der Fiat stand seit 1978 auf diesem Gargagenhof und wurde von Anfang an auch vom Werkstattmeister repariert. Der unglaubliche Erhaltungszustand hat mich begeistert. Der Fiat gehört praktisch zu diesem Hof und hat ihn auch nicht allzuoft verlassen. Entsprechende Wiedersehensfreude/Geschichten löst er bei den noch zu ca. 60% Garagennutzer von Damals aus, wenn ich damit auf den Hof rolle.

 

Auf meiner anschließenden Suche im Internet fand ich kaum etwas zum Auto, sind doch wohl die Meisten längst weggerostet oder verschrottet worden. Hiermit will ich ihn Euch wieder ins Gedächtnis rufen, obwohl ich mir nicht sicher bin ob die Autowelt ohne den 131 wirklich ärmer währe.

 

Die „Schönheit“ oder besser der „70iger Jahre Schick“ offenbart sich dem Betrachter auch erst auf den 2. Blick. Das letzte Bild zeigt den „Fundzustand“!

 

Fiat war lange Zeit der größte Importeur auf dem bundesdeutschen Markt. Durch diverse Streiks in Italien, schlechte Modellwechsel, irreführende Modellbezeichnungen und Qualitätsmängeln befand sich Fiat Deutschland, zur Zeit des Erscheinens des Fiat 131 1974, in der Krise. Zum angeschlagenen Image kamen noch großzügig verteilte Lizenzen an Polen, UdSSR und Yugoslavien, die mit ihren günstigen Autos nun auf den deutschen Markt strömten. Rettung sollte der Fiat- Deutschland Chef Werner Perino bringen und das neue Modell Fiat 131. Erstmals wurde bei der Modellbezeichnung nicht nur eine Zahlenkombination gewählt, sondern zusätzlich „Mirafiori“ , was Wunderblume heißt aber den Standort des neuen Fiatwerkes in dem der 131 vom Band rollt meint. Perino konnte immerhin eine 2 Jahres Garantie gegen Rost auf alle lackierten Teile bei „Mama Fiat“ durchsetzen. Im Schwellerbereich wurde der Fiat erstmals mit Plaste überzogen, was den Rost aber nur ganz kurz aufhielt. Der 131 verkaufte sich 1975 mit ca. 200 000 Stk. gar nicht so schlecht.

 

Die größte Bekanntheit erlangte der Mirafiori im Jahr 1980, als er mit Walter Röhl am Steuer "World Rally Champion" wurde, was natürlich in der Werbung herausgestellt wurde.

 

In der DDR sind mir die 131 nie aufgefallen, obwohl es einige gab. Der Kaufpreis über Genex lag dann mit etwa 18000 DM 2000 DM höher als der reale Kaufpreis in der BRD! Auch der Fiat 132 und sogar der 130 waren über Genex für Previligierte käuflich zu erwerben. Es ist allerdings garnicht so selten, dass diese DDR Fahrzeuge wenig bewegt wurden, mußten Ersatzteile natürlich auch für harte DM gekauft werden. Findige Schrauber haben Fiatteile aus der CSSR geholt. Der Grenzübertitt gestaltete sich dann aber schwierig, da Teile in Mengen natürlich nicht eingeführt werden durften. Ein Gespräch unlängst mit einem aktiven Zeitzeugen war da sehr aufschlussreich. Dessen beste Methode war vor dem Grenzübergang auf "Westfahrzeuge" zu warten und direkt vor ihnen den Grenzübergang zu nehmen. Die ganze Aufmerksamkeit der Grenzer richtete sich dann auf den "Klassenfeind". Im Gegensatz zu den Fiat Modellen sah man Golf I, Mazda 323 und Citrön GS, die in der DDR "frei" also für DDR Mark zu kaufen waren, öfter.

Fahrzeuge die über Genex gekauft wurden waren dann auch frei verkäuflich. Das hört sich normal an war es aber für Neuwagenkäufer in der DDR lange Zeit nicht. Als Neufahrzeugbesitzer war man verpflichtet das Auto bei Verkauf dem VEB Maschinen- und Materialreserven anzubieten, wo ebenfalls lange Wartelisten auf Gebrauchtfahrzeuge bestanden. So sollte der sich lohnende Handel mit Gebrauchten unterbunden werden. An direkte Verwandte konnte man sein Auto aber abgeben, genug Spielraum um da Möglichkeiten zu finden. Später entfiel diese Regelung und "Freie Automärkte" entstanden, auf denen man sein Auto mit leicht geöffnetem Fenster abstellte und dann die eingeworfenen Angebote sichtete. Das da neben Geld auch z.B. Ferienplätze in den Kauf einflossen ist nix Besonderes!

 

Mein Fiat wurde vom Erstbesitzer Dr. J. aus Berlin-Adlershof, geboren 1919, scheinbar nur bei schönem Wetter aus der Garage geholt und immer vom Verkäufer, dem Werkstattmeister, gewartet. So hat der Wagen noch bis 2004 TÜV gehabt und neue Stoßdämpfer, Bremsen und neue Reifen bekommen.

 

Seinen „Arancio Tropico“ farbenen 131 bekam der Doktor 1978 mit folgenden Extras: Heckscheibenheizung, Vordersitze mit Kopfstützen, Automatic-Gurten vorne, Statik-Gurten hinten, Zündschloss mit integriertem Lenkradschloss und Blaupunkt Radio mit el. Antenne. Dieses Auto war zu DDR Zeiten, als selbst 10 Jahre alte Trabant noch immer für den Neupreis gehandelt wurden, ein unglaublich wertvolles Auto! Nach der Wende sank sein Wert praktisch über Nacht schlagartig auf Null. Den Doktor hat es vermutlich nicht gekümmert, sein 131 hat ihm bis zum Schluss gedient. Leider konnte ich ihn nicht mehr persönlich sprechen.

 

Am Ende gab es nun auch bei diesem Fiat noch was zu schweißen. So gab es einen Rostschaden durch dauerhaft eindringendes Wasser am Tankeinfüllstutzen, welches sich durchs Blech suchte..., um dann irgenwann an der Schwellerendspitze wieder abfließen zu können. Der Fiat hatte noch nie eine Hohlraumversiegelung bekommen, trotzdem sahen die restlichen von mir "besichtigten" Hohlräume wie neu aus, unglaublich. Die Radhäuser waren nach einer Reinigung wieder schön orange!

Fällig waren ausserdem die Wasserpumpe und die Beschleunigerpumpenmembran, dann noch alle Flüssigkeiten gewechselt, ein wenige Pflege investiert und der Wagen rollt wie er soll.